Ortsbeschreibung aus dem Jahre 1895

Städchen im Gebirge, 12 km von Sternberg entfernt in einem Tale das von einem Bache (bei Sternberg Schäferbach genannt) durchlaufen wird. Deutschause hat 254 Häuser, 1866 Einwohner (1895) 891 m. und 975 w.; deutscher Nationalität, von denen 1855 Katholiken, und 10 Israeliten sind, eine Pfarre, eine Post und eine vierklasige Volksschule mit 272 Schülern.

Die Grundfläche im Ausmasse von 2297 ha 39 a 2 m2 hat einen mittelmässigen Ackerboden, welcher Korn, Hafer und Kartoffeln trägt.

Die Umgebung von Deutschhause besteht teils aus bebauten, teils aus bewaldeten Hügeln, von denen die bemerkenswertesten der Rücksteigberg mit Schieferbrüchen im Norden, im Süden der Steinhübel und der Kreuzberg, im Westen der Steinberg und zwischen Deutschause und Dittersdorf gelegen, der Grenzberg sind.

Deutschhause und Dittersdorf bildet der Ausgangspunkt der im Jahre 1878 erbauten Sternberg - Deutschhauser Strasse, hat vier Jahrmärkte, einen Wochenmarkt an jedem Samstage und sieben Vereine.

Die Einwohner ernähren sich von Bodenertrag, von von der Weberei, in der Brüchen und Holzschlägen, dann von verschieden Gewerben.

In Deutschause bestehen sechs Gasthäuser, fünf Kaufleute, zwei Brettsägen zwei Mühlen, eine Ölpresse, vier Webereien und eine Ziegelei.

Das Städchen besitz ein im Jahre 1874 von Wohltätern gegründetes Pfründnerhaus. An öffentlichen Gebauden sind zu bemerken die im Jahre 1787 erbaute Pfarrkirche zum heil. Abt Aegidius mit drei Ältaren, einen Orgel und drei Glocken auf dem Turme, dann das Gebäude der im Jahre 1876 erbauten Volksschule. Im nahen Walde verkünden einige Mauerüberreste den früheren Bestand einer Burg, welche den Namen Waldhausen geführt haben soll.

Geschichte: Ein Teil von Deutschhause war schon vor 1131 im Besitze der Olmützer Kirche. Die erste Nachricht über eine Pfarre daselbst datiert aus dem Jahre 1480, wo es heisst, dass ihr ehemals ein Heinrich vorgestanden. Paul von Eulenburg erhob den Ort im Jahre 1452 zum Städchen nach Sternberger und Neustädter Stadtrechten. Dasselbe erhielt einen Wochnmarkt für jeden Samstag und gegen zwei Mark jährlichen Zinses Befreiung von der Anfallsverbindlichkeit. Im Jahre 1499 wurde Johann Pinowski von Eulenburg mit Deutschhause belehnt.

Kaiser Rudolf II. verlieh dem Städchen in Jahre 1577 auf fürbitte Ladislaus von Boskowitz drei Jahrmärkte (Montag nach Palmsonntag, auf Petri und Pauli und auf den Lucientag mit gewöhnlichen Freiungen und 1594 überliess der Grundherr wie auch Burggraf auf dem Karlstein, Wenzel Plesch Herzmansky von Slaupna der Gemeinde die Acker und Wiesen "Na Mutkově" genannt, nebst anderen Wiesen gegen den jährlichen Zins von 20 fl. mähr. und 5 Groschen, entband sie von allen Fussfrohnen mit ausnahme jener bei der Jagt und Fischerei in Anwesenheit der Obrigkeit, gegen 150 Schock Groschen, und erteilte ihr das Recht, Weissbier braunen und ausschenken zu dürfen, ebenfalls gegen jährlich 150 Schock Groschen , was der Lehensherr und Bischof Stanislaus Pawlowsky am 16. Jänner 1596 bestätigte. NachWenzel Pleš wurde Christoph Schwarz von Retz mit dem Gute belehnt, von desen Erben se der Kardinal von Dietrichstein 1606 um 130 000 fl. kaufte und um deselben Preis noch im nämlichen Jahre es der Olmützer Stadtgemeinde überlassen haben soll. Der damalige Pfarrer in Deutschhause hiess Laurenz Trocheus und musste Kardinal Dietrichstein, der sich bei dem Verkaufe das Pfarrpatronat vorvehalten hatte, die Einwohner von Deutschhause am 22. Mai des obinen Jahres scharf tadeln, dass sie sich in Pfarrkirche und in der Kirchensachen gemengt hatten und Aenderungen bewirken wollten, die er keinerwegs duldete, was darauf hinweis, dass auch hier lutherische Grundsätze Eingang gefunden, welche jedoch die bischöftliche Überwachung - denn das Patronat vetblieb steets bischöftlich - nicht aufkommen liess und hier auch kein Pastor duldete.

Nach Einnahme des Schlosses Eulenburg in Jahre 1643 plünderten die Schweden Deutschhause und werbranten es dergestalt, dass alle Privilegien und Gemeindebücher vernichtet wurden und noch 1651 Kirche, Pfarrhof und Schule im Schutte lagen und sich kaum der vierte Teil der Einwohner erhielt, wozu im nachfolgenden Jahre noch eine schreckliche Pest kam, welche das Elend vollendete. (Nach dem Zeugnisse des Braunseifner Pfarrers Michael Plöschel vom 26. Oktober desselben Jahres und des Sternberger Stadtrathes vom 27. Oktober). Um 1687 waren alle Einwohner katholisch. Ausser der oberwähnten Kirche war auch hier eine uralte St. Valentinskapelle, worin nur am dritten Sonntag nach Ostern Gottesdienst gehalten wurde. Im Jahre 1689 beschwerte sich Pfarrer Häckel und hierauf sein Nachfolger Georg Rastler, hier ohne Verbesserung des Einkommen nicht leben zu können, weshalb sic ham 10. März 1690 die Gemeinde zur Robot- und Naturalienleistung verpflichtete; von dem etwa neu anzulegenden, seit vielen Jahre verödeten Mautzendorf solle nur die Stola entrichtet werden. 

Im Jahre 1775 zählte Deutschause 215 Häuser und 1230 Einwohner. Ein im Jahre 1787 ausgebrochener Brand vernichtete die grössere Hälfte der Häuser, die Pfarrkiche, die St. Valentinskapelle, die Pfarre und das Bräuhaus und verusachte einen Schaden 37 000 fl. Von einem ähnlichen Brandunglücke wurde Deutschause auch in neueren Zeit, am 2. August 1874 heimgesucht, bei welchem 89 Häuser und 13 Scheuern verbrannten und ein Schaden von 278 000 fl. verursacht wurde.

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1945



MATRIKY PRO MĚSTEČKO HŮZOVÁ 1656 - (1920)

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